40 Jahre Tennisclub Wertingen

Am Anfang stand das Spiel auf Asphalt

Klaus-Peter Knospe blickt auf 40 Jahre Tennis-Club Wertingen zurück

„Wir werden immer wieder von auswärtigen Spielern um unsere tolle Anlage beneidet“, weiß Rainer Mitschke, einer der „Macher“ beim Tennis-Club Wertingen, viele Jahre Vorsitzender, Jugendleiter und Kassenwart. Schön sieht es heute aus beim TC Wertingen, der am 15. Oktober mit einem Ball sein 40jähriges Jubiläum feiert.

Vor 40 Jahren sah alles ganz anders aus. Aber die „alten Kämpen“ erinnern sich noch gern an die Anfänge. „Wir haben uns beim Kaiser Hans getroffen“, heißt es, „da ging es los mit dem Tennis“. Aber warum diese Zusammenkunft? Ganz einfach: Ein paar junge Männer trafen sich zum Tennis – auf einem Asphaltplatz der Bekleidungsfabrik Alcron in Wertingen. Da gab es welche, die spielten bereits beim TC Meitingen auf Sand Tennis und brachten ein altes Netz mit. „Dann haben wir Linien auf den Asphalt gemalt und los ging’s“, erzählt Hans Kaiser, eines der Gründungsmitglieder. Am Anfang stand der Asphalt, aber es sollte nicht beim Asphalt bleiben. Denn aller Anfang war schwer. Einmal landeten die Bälle in Nachbars Garten, dann wieder auf dem Hausdach. Die Lösung: Ein eigener Tennis-Club in Wertingen musste her, mit richtigen Plätzen.

Anfang 1970 gab es erste Gespräche im Wohnzimmer von Hans Kaiser. Mit dabei Winfried Binswanger, später der erste Vorsitzende, der Apotheker Helmut Hartmann und Theo Straub von „Metall Straub“. Der Startschuss war quasi erfolgt. Zu den „glorreichen Vier“ kamen auch die späteren Gründungsmitglieder Dr. Karlheinz Simon und Rudi Schünemann, der als Produktionsleiter bei Alcron die Weichen für das „Hartplatz-Tennis“ gestellt hatte. Der 19. Juli 1971 kann als „Geburtstag“ des Tennis in Wertingen bezeichnet werden, als sich gleich 85 Tennis-Anhänger zur Gründung einer Abteilung des TSV Wertingen einfanden. Doch es zeigte sich bald, dass die Tennis-Abteilung angesichts ihrer Investitionen selbstständig sein musste. So ist dann der 13. September 1971 die wirkliche Geburtsstunde des Tennis-Club Wertingen.

Von Anfang an erfuhr der Tennis-Club Wertingen viel Unterstützung im „Städtle“. Die Wirtschaft tat sich als Sponsor hervor, die Stadt hatte jederzeit ein offenes Ohr für die Belange des „weißen Sports“. Ein Antreiber war immer Bürgermeister Dietrich Riesebeck. Die Stadt stellte auch das Grundstück am Judenberg zur Verfügung, noch 1971 wurde mit dem Bau der Tennisplätze begonnen. Drei sollten es sein, Mitarbeiter der Firma Deil halfen und forderten: „Da bauen wir doch gleich fünf Plätze“. Die Firma Berchtold fuhr Schlacke für den Untergrund an, die Firma Straub sorgte für die Umzäunung der Anlage – so entstand eine der größten und schönsten Anlagen in ganz Schwaben. Ein Schmuckkästchen.

Mit den Plätzen allein war es nicht getan. Wo Umziehen zum Beispiel? Zunächst stand da ein Bauwagen, dann eine Bauhütte und schnell war klar: Ein Clubheim musste her. Da half wieder Theo Straub wie eine Art „Schutzengel“. Er hatte auf einer Ausstellung in Ulm ein finnisches Blockhaus entdeckt, ideal für die Zwecke des TCW. Das Blockhaus wurde erworben, auseinander gebaut, jeder Balken nummeriert und schließlich auf dem Judenberg in Wertingen wieder aufgebaut. „Nur die Türen mussten vergrößert werden, da haben wir uns die Köpfe angestoßen“, erinnert sich Rudi Schünemann. Und schon hatte der TCW die Basis für sein Schmuckkästchen, das im Laufe der Zeit verschönert und vergrößert wurde. Also der Zahn der Zeit nagt nicht an der finnischen Blockhütte. Nur eine Sauna fehlt…

Was auffällt ist, dass beim Tennis-Club Wertingen zwar Werte geschaffen, aber keine Luftschlösser gebaut wurden. „Wir haben von Beginn an eine gute finanzielle Situation geschaffen“, blickt der langjährige Kassenwart Hans Kaiser, der über 25 Jahre im Verein in verschiedenen Positionen gearbeitet hat, zufrieden zurück. Das passte ja, ein Banker als Kassenwart und „seine Genoba“, die Genossenschaftsbank, unterstützte den Verein ebenfalls vielfältig. Der heutige Kassenwart und Vorsitzende von 2007 bis 2010, Rainer Mitschke (sinnigerweise Finanzbeamter), lobt seine Vorgänger: „Die Vereinsführung war generell immer vernünftig.“ Tennis hatte seinen Reiz, so dass die Interessenten auch eine Aufnahmegebühr zahlten und zusätzlich einen Baustein. Finanzielle Risiken ging man keine ein. Die nächsten Schritte waren, dass der Verein das Grundstück 1978 von der Stadt erwarb und zwei Jahre später die Anlage um die Plätze sechs und sieben erweiterte. Im Zuge des Baus einer Tennishalle kamen 1988 noch die Plätze acht und neun hinzu, bis heute allerdings in Pacht von der Stadt.

Vernünftig bleiben, nicht abheben, das war immer ein Motto beim TCW. So blieb es auch beim Vorsitzenden und beim Kassenwart, man brauchte keinen Präsidenten oder Schatzmeister, die bei anderen Vereinen meist nur Schulden verwalten. Acht Vorsitzende hat der Tennis-Club Wertingen in seiner 40jährigen Geschichte gehabt und jeder hat seine Spuren hinterlassen. Am längsten amtierte Rudi Schünemann, ein Mann der ersten Stunde, der das Amt bereits vor seiner eigentlichen Wahl kommissarisch ausfüllte. Von 1976 bis 1992 leitete er den Verein, musste aber wegen einem beruflichen Wechsel in die Schweiz aufhören. In seiner Zeit wurde die Basis des heutigen Clubs geschaffen.

Sein Nachfolger Rainer Späth sorgte in seiner Amtszeit für den sportlichen Höhepunkt im Verein. Vom 23. bis 26. Mai 1996 fanden zum 25 jährigen Jubiläum die „Creaton Open“ statt, das erste Preisgeldturnier mit Ranglistenwertung in Wertingen. Spieler der bundesweiten Spitzenklasse waren am Start, weil, wie es ein Teilnehmer sagte, „Wertingen in diesen Tagen das interessanteste Turnier bot“. Die Vita des Siegers Bertrand Madson aus Mutterstadt sprach für sich: In Haiti geboren, in New York aufgewachsen, in Europa auf allen Tennisplätzen unterwegs und schließlich Davis-Cup-Spieler für Haiti – ein „Weltbürger“ im beschaulichen Wertingen. Rainer Späth reibt sich noch heute die Hände: „Wir konnten mit dem Hintergrund dieses Turniers viele Dinge verwirklichen“. Dazu zählten in dieser Zeit der Bau einer neuen Wasserleitung bis zum Clubheim, der Umbau des Kellers, Anbau eines Geräteschuppens und Bau eines Grills, außerdem wurde für die „Creaton Open“ das Vereinsheim neu bestuhlt, damit es wirklich ein „Schmuckkästchen“ ist.

Hoch gehalten wurde aber auch immer das Vereinsleben. Jährliche Höhepunkte waren 40 Jahre lang die jeweiligen Vereinsmeisterschaften, zahlreiche Kreismeisterschaften des Landkreises Dillingen hat der TCW organisiert und mit Begeisterung waren vor allem die eigenen Mitglieder am Ball. Als nach dem Becker-Graf-Boom die Neu-Tennis-Fans den Verein stürmten, stieg die Mitgliederzahl von 1987 bis 1996 von 278 auf die Rekordhöhe von 441. Damals mussten Belegungspläne für die Plätze ausgehängt werden, damit man am Abend seinen Platz „buchen“ konnte. Doch die Begeisterung hielt nicht an, Steffi Graf und Boris Becker spielen nur noch privat, so hatte auch der Tennis-Boom ein Ende. Heute hat der TCW 255 Mitglieder, zuletzt eine leicht steigende Zahl, aber selbst Stagnation ist heute für viele Sportvereine schon ein Gewinn. Der TCW steht diesbezüglich gut da.

Gut da steht er vor allem, weil viele fleißige Menschen in 40 Jahren den Verein am Leben gehalten und für ihn viel Freizeit geopfert haben. Die Vorsitzenden stehen vorn dran, aber wertvolle Arbeit leisten vor allem auch die Jugendleiter, denn ohne Nachwuchs keine Zukunft. Aber in der Jugendarbeit war der TCW schon immer führend (er stellt mit Manuel Bacher auch den aktuellen U-16- Kreismeister), viele, die später höhere Ämter inne hatten, „dienten“ erst beim Nachwuchs, zum Beispiel Rainer Mitschke oder Rainer Späth. Den Spielbetrieb am Laufen halten die Sportwarte, da war und ist Uli Bacher über mehr als zwölf Jahre hinweg die „Seele des Vereins“. Im technischen Bereich ist Wolfgang Volpert mit seiner Vielseitigkeit kaum wegzudenken. Josef Wagner schob immer wieder an, war oft der Taktgeber im Hintergrund, ein Jahr für den zurückgetretenen Johann Eisenhofer auch Vorsitzender und als Firmenchef von „Buttinette“ einer der wichtigsten Sponsoren.

Sportlich war der TC Wertingen im Zusamtal immer „topp“, stellte auch zahlreiche Kreismeister. Erste Vereinsmeister waren 1972 Hannelore Simon und Helmut Hartmann. Rekordsieger bis heute Barbara Schünemann (heute Seefried) und Markus Straßer, die jeweils zehn Titel erspielten. Einzelne „Schwächeperioden“ sind wieder vorbei, die Damen-Mannschaft ist mit Andrea Wagner an Nummer 1 wieder auf dem Vormarsch, die Herren kehrten in die Kreisklasse 1 zurück und die Herren 40 spielen sogar in der Bezirksklasse 1, höher spielt kein Team im Zusamtal.

Elf Mannschaften hat der Tennis-Club Wertingen derzeit im Spielbetrieb, ein Zeichen, das der Verein lebt. Mit 40 Jahren haben viele mit einer ersten „Lebenskrise“ zu kämpfen, gehen in sich, zweifeln, was die Zukunft bringt. Der TCW fühlt sich nicht 40 Jahre alt, sondern 40 Jahre jung und will vor allem eins: Interessanten Sport anbieten, guten Sport bieten und den Mitgliedern ein intaktes Vereinsleben präsentieren. „Wir wollen in dem Sinn unserer Vorgänger weitermachen“, sagt der amtierende Vorsitzende Silvester Anton. Das Motto leiht er bei den Musketieren aus: „Einer für alle, alle für einen“. Egal, ob vor 40 Jahren oder heute: Tennis in Wertingen hat eine Zukunft.